Arbeitszeiterfassung – Übersicht der Pflichten eines KMU und Jungunternehmens

Eliane Spirig
Eliane Spirig

Das schweizerische Arbeitsgesetz (ArG) verpflichtet den Arbeitgeber diejenigen Unterlagen bereit zu halten, welche über die Einhaltung der Pflichten im Arbeitsgesetz Auskunft geben. Darunter fallen auch Angaben über die Dauer der geleisteten Arbeitszeit eines Mitarbeiters, dessen Überstunden, Pausen und eventuelle Ausgleichsarbeit.

Im Zusammenhang mit der Arbeitszeiterfassung gab es in jüngster Vergangenheit eine Gesetzesrevision. Das Ziel der Revision war es, die Arbeitszeiterfassung den heutigen Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen, die Unternehmen administrativ zu entlasten und das Arbeitsgesetz möglichst effizient umzusetzen.

Die Formen der Arbeitszeiterfassung

Mit der Inkraftsetzung der neuen Bestimmungen über die Arbeitszeiterfassung kommen ab 1. Januar 2016 folgende Formen der Arbeitszeiterfassung zur Anwendung:

1. Systematische Arbeitszeiterfassung (Art. 73 ArGV 1)

Weiterhin gilt für Mitarbeiter, die über ihre Arbeitszeiten nicht mit einer gewissen Autonomie frei bestimmen dürfen, die sogenannte systematische Arbeitszeiterfassung. Diese schreibt vor, dass sowohl die Dauer der geleisteten Arbeitszeit, als auch Pausen und Ausgleichszeiten festzuhalten sind. Dem Unternehmen ist es dabei freigestellt, mit welchen Mittel es die Arbeitszeit seiner Mitarbeiter erfasst.

2. Vereinfachte Arbeitszeiterfassung (Art. 73b ArGV 1)

Können die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten zu einem gewissen Umfang selber festlegen, so müssen nur die geleisteten Arbeitsstunden als ein Gesamtwert pro Tag erfasst werden. Das bedeutet, dass weder der Beginn noch das Ende der Arbeitszeit oder Pausen festgehalten werden müssen.

3. Verzicht auf die Arbeitszeiterfassung (Art. 73a ArGV 1)

Gänzlich auf eine Arbeitszeiterfassung verzichten dürfen Arbeitnehmer, die ein Bruttojahreseinkommen, einschliesslich Boni, von mehr als CHF 120‘000.- haben, über eine grosse Autonomie verfügen und ihre Arbeitszeiten mindestens zur Hälfte selber bestimmen können.

Pflichten der KMUs und Jungunternehmen

Die Pflichten des Arbeitgebers variieren je nach Form der geforderten Arbeitszeiterfassung.

1. Mitarbeiter mit geringer bis keiner Autonomie bezüglich Arbeitszeiten

Hier kommt die systematische Zeiterfassung zum Zug, welche den Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeitern ein geeignetes Instrument zur Arbeitszeiterfassung zur Verfügung zu stellen.

Festgehalten werden müssen der Beginn und das Ende jeder einzelnen Arbeitsphase. Zusätzlich müssen auch die Dauer von Pausen, die eine halbe Stunde oder mehr betragen, aufgezeichnet werden. Und zudem müssen auch die Ruhe- und Ersatzruhetage, sowie Überstunden und Ausgleichsarbeiten mithilfe des Arbeitszeiterfassungsinstruments registriert werden können.

2. Mitarbeiter mit gewisser Autonomie bezüglich Arbeitszeiten

Eine gegenüber der systematischen Arbeitszeiterfassung erleichterte Arbeitszeiterfassung setzt voraus, dass eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern getroffen wird, die den neuen gesetzlichen Anforderungen entspricht. Eine solche Vereinbarung kann entweder mit der Arbeitnehmervertretung oder mit der Mehrheit der Mitarbeiter beschlossen werden. Für Betriebe mit weniger als 50 Arbeitnehmern darf diese Vereinbarung auch mit jedem einzeln getroffen werden.

Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist für diese Form der Arbeitszeiterfassung nicht notwendig.

3. Mitarbeiter mit grosser Autonomie bezüglich Arbeitszeiten

Im Gegensatz zur vereinfachten Arbeitszeiterfassung muss beim Verzicht der Arbeitszeiterfassung ein GAV abgeschlossen werden. Der GAV muss den Anforderungen von Art. 73a ArGV entsprechen. Ausserdem muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass jeder von dieser Regelung betroffene Mitarbeiter eine individuelle Verzichtserklärung unterschreibt.

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Revision der Bestimmung über die Arbeitszeiterfassung nicht nur Flexibilität, sondern auch zusätzlichen Aufwand bringt. Ohnehin vergrössert die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung den administrativen Aufwand von KMUs und Jungunternehmen enorm. Dies führt dazu, dass viele Unternehmen ihre Pflichten gar nicht erst wahrnehmen und sich durch diese Verhaltensweise potentiellen Bussen und anderen Strafen aussetzen.

 
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