Ausgewählte Fragen und Antworten zum Post-Money SAFE unter Schweizer Recht

Alain Friedrich
Alain Friedrich

Einer der grossen Vorteile des in der Schweiz als Wandeldarlehen ausgestalteten Simple Agreement for Future Equity (SAFE) von Y-Combinator ist seine Standardisierung und Einfachheit. Der nachfolgende Beitrag soll anhand von in der Praxis immer wieder auftauchenden Fragen den Post-Money SAFE erläutern und dessen Vorteile aufzeigen.

1. Was ist ein Post-Money SAFE?

Der Begriff SAFE ist ein Akronym für Simple Agreement for Future Equity. Unter Schweizer Recht ist der SAFE in der Regel als ein, mit einem Rangrücktritt versehenes unverzinsliches Wandeldarlehen (Fremdkapital) ausgestaltet.  

Mit dem SAFE gewährt ein Investor einem Early Stage Start-Up ein zinsloses Darlehen, welches zu einem späteren Zeitpunkt in Eigenkapital umgewandelt wird. Der Investor hat dabei in der Regel keinen Rückzahlungsanspruch. Vielmehr verpflichtet er sich, sein SAFE bei der ersten Kapitalerhöhung des Unternehmens nach Vertragsabschluss zu bestimmten Bedingungen in Beteiligungspapiere der Gesellschaft umzuwandeln.

Die Umwandlungsbedingungen sind standardisiert. Verhandelt wird in der Regel nur der sog. Post-Money Valuation Cap. Dieser bezeichnet die Bewertung des Unternehmens unmittelbar nach Wandlung sämtlicher ausstehender SAFE.

Der Begriff Post-Money Valuation unterscheidet sich vom allenfalls bekannteren Begriff Pre-Money Valuation nur darin, dass sich die Pre-Money Valuation auf die Unternehmensbewertung unmittelbar vor einer Investition bezieht und die Post-Money Valuation die Unternehmensbewertung direkt nach der Investition meint. Wenn beispielsweise ein Unternehmen eine Finanzierungsrunde über CHF 2 Mio. mit einer Pre-Money Valuation von CHF 10 Mio. durchführt, bedeutet dies nichts anderes, als dass das Unternehmen CHF 2 Mio. bei einer Post-Money Valuation von CHF 12 Mio. aufnimmt.

Der Post-Money Valuation Cap ist nun die maximale Unternehmensbewertung nach Wandlung sämtlicher ausstehender SAFE-Investitionen (aber vor der, die Wandlung auslösenden Kapitalerhöhung).

Bei Abschluss eines SAFE wissen die Investoren somit, welche Unternehmensbeteiligung sie nach Wandlung der SAFE erhalten (z.B. 10 % für ein Investment von einer Million). Eine Verwässerung durch andere SAFE-Investoren findet nicht statt.

Verwässert werden alle SAFE-Investoren demgegenüber durch die erste Kapitalerhöhung, welche der Grund bildet für die Umwandlung der SAFE. Daher räumen einige Unternehmen ihren SAFE-Investoren die Möglichkeit ein, auch bei dieser Finanzierungsrunde mitzumachen und Anteile zu zeichnen (sog. pro-rata right). Auf diese Weise werden die SAFE-Investoren nicht verwässert und können ihre initiale Beteiligung beibehalten.

Hier ein vereinfachtes Beispiel:

XYZ AG hat unmittelbar nach ihrer Gründung ein Aktienkapital von CHF 100'000.00, eingeteilt in 1'000'000 Namenaktien mit einem Nennwert von je CHF 0.10. Die Stammaktien werden je zu 50% durch Gründer X und Gründerin Y gehalten. Die XYZ AG nimmt nach ihrer Gründung von zwei Investoren insgesamt CHF 1 Mio. auf.

Investor A unterzeichnet ein SAFE mit einem Darlehensbetrag von CHF 200'000.00 und einer Post-Money Valuation Cap von CHF 4 Mio. Investor B unterzeichnet ein SAFE mit einem Darlehensbetrag von CHF 800'000.00 und einer Post-Money Valuation Cap von CHF 8 Mio.

Nach Unterzeichnung der beiden SAFE weiss das Unternehmen, dass 15% der Gesellschaft an die SAFE-Investoren geht:

Investor A = 200k / 4 Mio. = 5%
Investor b = 800k / 8 Mio. = 10%

18 Monate nach Unterzeichnung der SAFE unterzeichnet die XYZ AG ein Term Sheet, gemäss welchem das Unternehmen eine Finanzierungsrunde zu einer Pre-Money Valuation von CHF 15 Mio. durchführt und von einem institutionellen Investor Z insgesamt CHF 5 Mio. aufnimmt.

Wie sehen die Beteiligungsverhältnisse vor und nach der Finanzierungsrunde aus?

Beteiligungsverhältnisse vor Wandlung der SAFE:

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Beteiligungsverhältnisse nach Wandlung der SAFE:

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Beteiligungsverhältnisse nach der Wandlung der SAFE und Durchführung der Finanzierungsrunde:

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2. Welche weiteren Punkte sollte man im Hinterkopf behalten?

Wie werden ausgegebene oder versprochene Optionen oder Mitarbeiterbeteiligungen behandelt?

Für die Berechnung des dem SAFE-Investoren zukommenden Unternehmensanteils sind nicht nur die unmittelbar vor der Finanzierungsrunde ausstehenden Beteiligungspapiere, sondern auch die unmittelbar vor der Finanzierungsrunde ausgegebenen oder versprochenen Optionen oder Beteiligungspapiere zu berücksichtigen (insbesondere auch genehmigtes oder bedingtes Kapital).

Nicht berücksichtigt werden dagegen die im Rahmen der Finanzierungsrunde neu geschaffenen Optionen und Beteiligungspapiere. Das ist nur folgerichtig und führt dazu, dass die SAFE-Investoren durch solche neu geschaffenen Optionen oder Beteiligungspapiere verwässert werden.

Welchen Zweck hat die Vertragsklausel «Most Favoured Nation»?

Dank der Ausgestaltung des SAFE ist es grundsätzlich jederzeit möglich, mit unterschiedlichen Investoren unterschiedliche Post-Money Valuation Caps zu vereinbaren. Das gibt dem kapitalsuchenden Unternehmen grösstmögliche Freiheiten.

Vorbehalten bleiben jedoch Situationen, in denen mit früheren SAFE-Investoren sog. Most Favoured Nation-Vereinbarungen (MFN-Vereinbarungen) getroffen wurden. Solche MFN-Vereinbarungen bedeuten, dass – sofern mit neuen SAFE-Investoren investorenfreundlichere Bedingungen vereinbart wurden – die bestehenden SAFE an die Bedingungen des neu abgeschlossenen SAFE angepasst werden.  

Wann wird der SAFE in Eigenkapital gewandelt?

Die Wandlung des ausstehenden SAFE erfolgt zwingend bei der ersten bzw. bei der ersten, dem Abschluss des SAFE folgenden Finanzierungsrunde (Equity Financing), bei welcher Beteiligungspapiere ausgegeben wird. Es gibt keine spezifische Finanzierungsschwelle, die erreicht werden muss und der Investor ist in diesem Zeitpunkt verpflichtet, das Darlehen in Beteiligungsrechte zu wandeln.

Was passiert, wenn das Unternehmen vor Wandlung des SAFE verkauft wird?

Für den Fall, dass das Unternehmen verkauft oder an einer Börse kotiert wird, bevor der SAFE gewandelt wurde, hat der Investor Anspruch auf Auszahlung des höheren der nachfolgenden Beträge: (i) Rückzahlung des initialen Darlehensbetrags, oder (ii) Anspruch auf denjenigen Teil des Verkaufserlöses, auf den der Darlehensgeber berechtigt gewesen wäre, wenn die Wandlung zum Post-Money Valuation Cap vor dem Verkauf bzw. vor der Kotierung erfolgt wäre.

Was passiert, wenn die Unternehmenstätigkeit eingestellt wird?

Wird die Unternehmenstätigkeit eingestellt, ist der SAFE-Investor grundsätzlich berechtigt, den initialen Darlehensbetrag zurückzuerhalten. Vorbehalten bleibeben die Folgen des Rangrücktritts. Dieser kann dazu führen, dass der Darlehensbetrag nur teilweise oder gar nicht zurückerstattet wird (bzw. werden kann).  

Kann ein SAFE gekündigt werden?  

Der SAFE kann grundsätzlich nicht gekündigt werden und er wird grundsätzlich nur bei einem Equity Financing, bei einem Liquidity Event oder einem Dissolution Event aufgehoben. Vorbehalten bleibt eine Kündigung aus wichtigem Grund.

Welche Art von Beteiligungspapieren erhalten SAFE-Investoren bei einer Wandlung?

Die SAFE-Investoren erhalten bei einer Wandlung grundsätzlich dieselben Beteiligungspapiere wie Investoren, welche anlässlich der Finanzierungsrunde erstmals Beteiligungspapiere zeichnen. Anders sind in der Regel nur der Ausgabebetrag und, sofern Beteiligungspapiere mit Präferenzrechten ausgegeben werden, die Liquidationspräferenz.

Weshalb empfehlen wir einen Rangrücktritt?

Unter Schweizer Recht ist ein SAFE als Darlehen ausgestaltet. Für Early Stage Start-Ups besteht daher ein Risiko der Überschuldung nach Art. 725 OR.

Entsprechend ist jedem Unternehmen, welches über ein SAFE Kapital aufnimmt, zu empfehlen, einen Rangrücktritt  gemäss den Anforderungen von Art. 725 Abs. 2 OR in die Vereinbarung aufzunehmen.

Wer muss dem Abschluss eines SAFE zustimmen?

Die Wandlung eines Darlehens in Eigenkapital erfolgt durch die General- bzw. Gesellschafterversammlung. Entsprechend sollte der SAFE durch die bestehenden Aktionäre / Gesellschaftern unterzeichnet werden oder es muss eine separate Vereinbarung zwischen den Aktionären / Gesellschaftern abgeschlossen werden, wonach sich die bestehenden Aktionäre / Gesellschafter verpflichten, der Wandlung zuzustimmen.

3. Weshalb ist der SAFE so beliebt?

Mit einem SAFE hat ein Unternehmen die Möglichkeit, ohne grossen administrativen oder Verhandlungsaufwand Kapital aufzunehmen und sich in einer frühen Unternehmensphase zu finanzieren. Weiter entsteht wenig Koordinationsaufwand, da SAFE grundsätzlich jederzeit und unabhängig voneinander abgeschlossen werden können. Weiter kann die Vereinbarung beliebig mit zusätzlichen Absprachen ergänzt werden. Diese Möglichkeit wird dann auch in der Praxis relativ oft in Anspruch genommen.  Für Investoren ist ein Post-Money SAFE schliesslich auch interessant, weil man direkt nach Vertragsabschluss weiss, welchen Unternehmensanteil man erwirbt, was bei Wandeldarlehen unter Verwendung der Pre-Money Valuation nicht der Fall ist.  

Disclaimer: Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen dienen allgemeinen Informationszwecken und stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

 
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