Die Besteuerung von Wandeldarlehen bei Start-Up Finanzierungen

Alain Friedrich
Alain Friedrich

Wandeldarlehen (oder SAFEs) sind bei EarlyStage Start-Ups eine beliebte Finanzierungsform. Dabei gibt ein Darlehensgeber der Gesellschaft ein (verzinsliches oder unverzinsliches) Darlehen, welches unter definierten Bedingungen zu einem späteren Zeitpunkt in Eigenkapital gewandelt wird, d.h. der Darlehensgeber erhält anstelle des Darlehensbetrags Beteiligungsrechte an der Gesellschaft.
Im nachfolgenden Beitrag wird die Besteuerung von Wandeldarlehen auf Stufe eines in der Schweiz domizilierten Unternehmens und auf Stufe eines in der Schweiz wohnhaften Darlehensgebers erläutert.

Ein Wandeldarlehen (oder SAFEs in der Schweiz)  ist ein hybrides Finanzierungsinstrument, welches sowohl Charakteristika von Fremd- als auch von Eigenkapital aufweist. Es zeichnet sich dadurch aus, der Gläubiger neben dem Anspruch auf Darlehensrückzahlung eine Option erhält, den Darlehensrückzahlungsanspruch zu im Voraus definierten Bedingungen in eine Eigenkapitalbeteiligung umzuwandeln.

Steuerfolgen auf Stufe des Unternehmens

Auf Stufe der Darlehensnehmerin gelten folgende Grundsätze:    

  • Allfällige Zinsen sind geschäftsmässig begründeter Aufwand: Bezahlt das Unternehmen auf dem Wandeldarlehen einen Zins, kann dieser grundsätzlich als geschäftsmässig begründeter Aufwand geltend gemacht werden.
     
  • Gewinnsteuerneutrale Wandlung: Die im Rahmen einer Verrechnungsliberierung vollzogene Wandlung eines Darlehens in neu ausgegebenes Eigenkapital löst keine Gewinnsteuer aus.
     
  • Emissionsabgabe: Die Ausgabe der neuen Beteiligungsrechte unterliegt im Zeitpunkt der Wandlung im Umfang der wegfallenden Rückzahlungsverpflichtung grundsätzlich der Emissionsabgabe.
     
  • Bildung von Kapitaleinlagereserven: Die Gesellschaft kann bei der Umwandlung des Darlehens Kapitaleinlagereserven nach Art. 5 Abs. 1bis VStG bilden, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. 
     
  • Grundsätzlich keine Verrechnungssteuer: Ein allfälliger auf dem ausstehenden Wandeldarlehen bezahlter Zins unterliegt grundsätzlich nicht der Verrechnungssteuer. Eine Verrechnungssteuer ist nur dann geschuldet, wenn das Wandeldarlehen als Anleihensobligation (> 10 Nichtbankengläubiger und identische Bedingungen) oder Kassenobligation qualifiziert wird (>20 Nichtbankengläubiger und variable Bedingungen). In der Praxis liegen regelmässig keine solchen Anleihens- oder Kassenobligationen bei Start-Up Finanzierungen vor.

Steuerfolgen auf Stufe des Investors

Die Steuerfolgen auf Stufe des Investors sind primär davon abhängig, ob ein sog. klassisches Wandeldarlehen vorliegt oder nicht.

Klassisches Wandeldarlehen

Ein klassisches Wandeldarlehen zeichnet sich dadurch aus, dass der Darlehensgeber ausschliesslich neu geschaffenen Beteiligungsrechte einer in der Schweiz domizilierten Gesellschaft erhält und die Beteiligungsrechte zu pari (oder mit einem Agio) ausgegeben werden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, liegt ein nicht klassisches Wandeldarlehen vor.

In der Praxis sind bei Start-Ups sehr häufig klassische Wandeldarlehen anzutreffen. Beim Investor werden bei klassischen Wandeldarlehen nur allfällige periodischen Zinsen sowie ein allfälliges Emissionsdisagio bzw. Rückzahlungsagio besteuert. Ein vereinbarter Diskont im Zeitpunkt der Wandlung unterliegt dagegen weder der Einkommens- noch der Verrechnungssteuer (sofern im Einzelfall überhaupt eine Anleihens- oder Kassenobligation vorliegt).

Die Behandlung als klassisches Wandeldarlehen setzt voraus, dass bereits im Zeitpunkt der Darlehensausgabe feststeht, dass das Darlehen mit neugeschaffenen Aktien bedient wird.

Nicht-klassische Wandeldarlehen

Bei nicht-klassischen Wandeldarlehen unterliegt alles, was der Investor bei der Wandlung über das ursprünglich investierte Kapital hinaus erhält, der Einkommenssteuer und (sofern eine Anleihens- oder Kassenobligation vorliegt) der Verrechnungssteuer. Insbesondere unterliegt auch ein allfälliger Diskont gegenüber dem Preis der Finanzierungsrunde der Einkommenssteuer. Dies kann insbesondere auch bei Wandeldarlehen an ausländische Unternehmen zu unliebsamen Überraschungen führen.

Disclaimer: Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen dienen allgemeinen Informationszwecken und stellen keine rechtliche oder steuerliche Beratung dar. Im konkreten Einzelfall kann der vorliegende Inhalt keine individuelle Beratung durch fachkundige Personen ersetzen.

 
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