Kryptowährungen und Steuern

Michael Barmettler
Michael Barmettler

Der Krypto-Space und insbesondere Kryptowährungen erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Trotz der Dezentralität und der vermeintlichen Anonymität müssen Coins und Tokens in der Steuererklärung aufgeführt werden.

Die folgenden Darlegungen sollen sich an natürliche Personen als Steuerzahler richten.

Coins vs. Tokens – Was ist der Unterschied?

Vielfach werden diese beiden Begriffe als Synonyme verwendet. Dies ist jedoch nicht korrekt, denn Coins und Tokens bedienen unterschiedliche Anwendungsfelder.

  • Coins (auch Native-Tokens oder Payment-Tokens) sind an eine Public-Open-Blockchain gebunden, das heisst, jedermann kann dem Netzwerk beitreten und mitmachen. Weiter können Coins gesendet und empfangen sowie geschürft (mining) werden. Coins sind technisch so ausgestaltet, dass sie keine andere Funktion als die von «klassischem» Geld wahrnehmen können. Die wohl bekanntesten Coins sind Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH).
  • Asset-Backed- oder Utility-Tokens hingegen zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem Inhaber unterschiedliche Rechte geben können. Beispielsweise können Utility-Tokens im Ökosystem eines Projektes verwendet werden, um in diesem Zugang zu gewissen Funktionen zu erhalten oder innerhalb des Projektes zu bezahlen.

Die Unterscheidung ist aufgrund der teilweise unterschiedlichen Steuerfolgen relevant. Vorneweg ist im Zusammenhang mit der Vermögenssteuer festzuhalten, dass die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) seit dem Jahre 2015 eine Kursliste für Kryptowährungen führt und diese nun auf 20 Werte angewachsen ist (Link). Die meisten Kantone folgen dieser Empfehlung der ESTV bei der Veranlagung der Vermögenssteuern. So werden zumindest alle Steuerpflichtigen gleichbehandelt.

 

Die Besteuerung von Coins (Payment- / Native-Tokens)

Coins, wie beispielsweise der Bitcoin, werden ähnlich wie Fremdwährungen behandelt. Insbesondere unterliegt der beim Kauf oder Verkauf erzielte Gewinn im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung nicht der Einkommenssteuer. Vielmehr handelt es sich dabei um einen steuerfreien Kapitalgewinn. Verluste sind nicht abziehbar.

Wird jedoch Trading betrieben, welches über die private, allenfalls noch erlaubte «dynamische» Vermögensverwaltung hinausgeht, kann eine gewerbsmässige Tätigkeit, welche als selbstständiger Erwerb qualifiziert wird, vorliegen. In diesem Fall unterliegen erzielte Gewinne der Einkommenssteuer und verbuchte Verluste sind steuerlich abzugsfähig. Auch können Aufwendungen, welche beispielsweise beim Errichten von Mining-Anlagen entstehen, abgezogen werden. Ob eine gewerbsmässige Tätigkeit vorliegt und was abzugsfähig ist, muss im Einzelfall abgeklärt werden, da mehrere Faktoren dies beeinflussen. Hier wird von den Steuerbehörden grundsätzlich das Kreisschreiben Nr. 36 über den gewerbsmässigen Wertschriftenhandel vom 27. Juli 2012 analog angewendet.

Die Besteuerung von Tokens

Das ESTV unterscheidet grundsätzlich zwischen Asset-Backed- und Utility- Tokens, wobei der Begriff Asset-Backed-Tokens noch in die Unterkategorien Eigenkapital-, Fremdkapital- und Partizipations-Tokens unterteilt wird.

Asset-Backed-Tokens

Eigenkapital-Tokens

Mit Eigenkapital-Token gewährt ein Unternehmen Investoren einen Anspruch auf eine Geldleistung, welche in einem bestimmten Verhältnis zum Unternehmensgewinn oder Liquidationsergebnis steht. Jedoch besteht kein Anspruch auf Rückzahlung des investierten Betrags. Die Investitionen von natürlichen Personen, also der Kauf und Verkauf der Eigenkapital-Tokens, unterliegen grundsätzlich nicht der Einkommenssteuer. Vorbehalten bleibt eine gewerbsmässige Tätigkeit.

Zahlungen des Emittenten an den Investor stellen steuerbares Einkommen dar. Es handelt sich dabei (anders als bei Aktieninvestitionen) nicht um eine steuerneutrale Rückzahlung. Dies mindert die Attraktivität von Eigenkapital-Tokens für Privatpersonen als Anlagemöglichkeit.

Verrechnungssteuer fällt auf den Zahlungen des Emittenten an die Investoren in der Regel keine an.

Fremdkapital-Tokens

Fremdkapital-Tokens werden im Rahmen einer kollektiven Mittelbeschaffung vom Emittenten aus-gegeben. Sie lauten normalerweise auf feste Beträge und gewähren Anspruch auf Rückzahlung der gesamten oder eines wesentlichen Teils der Investition und gegebenenfalls auf eine Zinszahlung. Für den Investor gestaltet sich die Situation also ähnlich zu einem Darlehensverhältnis.

Entsprechend ist auf den Kauf, Verkauf und/oder die Rückzahlung des Fremdkapital-Tokens grundsätzlich keine Einkommenssteuer geschuldet. Vorbehalten bleit die gewerbsmässige Tätigkeit (siehe oben). Werden Zinsen ausbezahlt, unterliegen diese der Einkommenssteuer (Ertrag aus beweglichem Kapitalvermögen).

Partizipation-Tokens

Partizipations-Tokens werden ebenfalls als eine Form der kollektiven Mittelbeschaffung vom Emittenten ausgegeben, ohne dass dabei (digitale) Beteiligungsrechte in Form von Aktien, Partizipations- oder Genussscheinen begründet oder Obligationen oder Anteile an kollektiven Kapitalanlagen ausgegeben werden. Sie berechtigen zu einem verhältnismässigen Anteil an einer bestimmten Grösse des Emittenten, wie beispielsweise EBIT, Lizenzertrag oder Umsatz. Partizipations-Token werden steuerlich gleichbehandelt wie Eigenkapital-Token (siehe oben).

Utility-Tokens

Utility-Tokens werden vom Emittenten ebenfalls zur Mittelbeschaffung ausgegeben. Jedoch erhalten die Investoren keine geldwerten Leistungen wie bei den Asset-Backed-Tokens, sondern sie erhalten den Zugang zu Dienstleistungen, für welche sie die Utility-Tokens einsetzen müssen. Die Mittel der Investoren sind zweckgebunden und werden für die Entwicklung und Nutzung der zu erbringenden Dienstleistung eingesetzt. Das Rechtsverhältnis zwischen dem Emittenten und Käufer der Utility-Tokens ist meistens vergleichbar mit einem Auftragsverhältnis. Es besteht im Normalfall auch kein Anspruch auf eine Rückzahlung. Privatpersonen schulden auf den Kauf, sowie den Verkauf von Utility-Tokens keine Einkommenssteuer. Vorbehalten bleibt erneut die gewerbsmässige Tätigkeit. Eine Verrechnungssteuer ist nicht geschuldet.

Die Vermögenssteuer

Sämtliche Coins und Tokens sind jeweils per Ende des Jahres zum aktuellen Kurs (vgl. Kursliste des ESTV oben) als Vermögen steuerbar. Besteht kein solcher Kurs, kann der ursprüngliche Kaufpreis als massgeblicher Wert genommen und in die Steuerklärung eingefügt werden.

Fazit

Krypto-Assets und Erträge aus Krypto-Assets sind zwingend in der Steuererklärung zu deklarieren. Neben der Nichtdeklaration der gehaltenen Vermögenswerte liegt das grösste Risiko in der Gewerbsmässigkeit; allzu aktives Handeln mit Krypto-Assets kann von den Steuerbehörden als gewerbsmässig eingestuft werden. Kapitalgewinne wären dann nicht mehr steuerfrei und Erträge wären grundsätzlich sozialversicherungspflichtig. 

 
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