Wahl der Rechtsform - Vor- und Nachteile einer AG oder GmbH

Eliane Spirig
Eliane Spirig

Start-ups boomen – vor allem in der Schweiz werden viele Unternehmen gegründet. Doch bevor eine Unternehmung entstehen kann, muss man sich für eine Rechtsform entscheiden. Dabei sind einige Kriterien, wie Haftung, Kapital oder den Handlungsspielraum, besonders zu beachten.

Die schweizerische Unternehmenslandschaft wird vor allem von der Einzelfirma, AG und GmbH dominiert. Die Einzelfirma ist eine sehr beliebte Rechtsform, da sie einfach und schnell begründet werden kann. Jedoch haftet der Inhaber nicht nur mit dem Geschäftsvermögen, sondern auch mit seinem ganzen Privatvermögen. Hierbei bieten die AG und GmbH mehr Sicherheit, da sich die Haftung nur auf das Gesellschaftskapital beschränkt. Jedoch gibt es auch zwischen diesen beiden Rechtsformen viele Unterschiede, welche wir in diesem Beitrag gerne erläutern möchten.

Gründung

Bei einer Aktiengesellschaft: Seit dem Jahre 2008 werden für die Gründung einer AG nicht mehr drei, sondern nur noch eine Person benötigt. Hingegen können beim Startkapital einige Hürden entstehen. Denn das Aktienkapital muss mindestens CHF 100'000 betragen und in (Namen- oder Inhaber-)Aktien mit einem Nennwert von mind. einem Rappen aufgeteilt sind. Davon muss aber mindestens 20% einbezahlt (liberiert) oder durch Sacheinlagen gedeckt sein. Diese Summe wiederum darf aber nicht CHF 50'000 unterschreiten. Diese strengen Auflagen und das hohe Startkapital schrecken viele Jungunternehmer ab. Dennoch kann dieser Nachteil sich dann später klar als Vorteil erweisen, denn eine Aktiengesellschaft bietet Vorteile bei der Kapitalbeschaffung und bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit.

Bei einer GmbH: Wie bei der AG kann die Gründung einer GmbH durch eine Person erfolgen. Einen Vorteil bietet die GmbH jedoch hinsichtlich des benötigten Gründungskapitals. Das sogenannte Stammkapital muss mindestens CHF 20'000 betragen. Allerdings muss zum Gründungszeitpunkt der gesamte Betrag vollumfänglich liberiert sein.

Allgemein werden diese, im Vergleich mit dem Ausland, relativ hohen, Startkapitalanforderungen stark kritisiert.

Aktien versus Stammanteile

Beteiligungen an der Aktiengesellschaft: Die Aktien können mit ihrem tiefen Nennwert pro Anteil punkten; dieser kann beispielsweise auch nur einen Rappen betragen. Des Weiteren gestaltet sich der Verkauf von Aktien um einiges einfacher als derjenige von Stammanteilen, wie wir in diesem Blogbeitrag dargelegt haben.

Beteiligungen an einer GmbH: Stammanteile einer GmbH hingegen müssen einen Nennwert vom mindestens CHF 100 aufweisen. Ein weiterer Nachteil, welchen die Stammanteile mit sich bringen, ist, dass die Gesellschafter mit Namen und Wohnsitz im Handelsregister eingetragen sind. Die Aktionäre einer AG profitieren hier von einer grösseren Anonymität, da sich beispielsweise Inhaber von Namenaktien grundsätzlich lediglich im firmeneigenen Aktienbuch eintragen lassen müssen, d.h. die Aktionärsstellung ist nicht öffentlich.

Stimmrecht der Gesellschafter

Bei der Aktiengesellschaft: Grundsätzlich üben die Aktionäre ihr Stimmrecht an der GV nach Verhältnis des gesamten Nennwerts der ihnen gehörenden Aktien aus, d.h. jede Aktie hat eine Stimme, sofern alle Aktien den gleichen Nennwert haben. Von diesem Grundsatz kann durch eine besondere Ausgestaltung der Statuten abgewichen werden. So können zum Beispiel Stimmrechtsaktien vorgesehen werden. Stimmrechtsaktien verleihen jeder Aktie eine Stimme und zwar unabhängig vom Nennwert dieser Aktie. Die Kapitalbeteiligung (Nennwert) unterscheidet sich damit von der Stimmkraft (Stimmrecht). Dies lässt einige Freiheiten zu.

Bei der GmbH: In der Regel orientiert sich das Stimmrecht anteilmässig am Nennwert der Stammanteile. Allerdings kann auch bei der GmbH statuarisch davon abgewichen werden.

Sowohl die AG als auch die GmbH bieten relativ gute Möglichkeiten, die Statuten individuell anzupassen und auszugestalten. Insbesondere die GmbH bietet sehr grossen Gestaltungsspielraum.

Haftung

Bei der Aktiengesellschaft: Die Aktionäre einer Aktiengesellschaft haben eine Pflicht: Die Einzahlung des Aktienkapitals. Eine persönliche Haftung für Verbindlichkeiten der AG ist nicht vorgesehen und kann auch nicht statutarisch festgehalten werden.

Bei der GmbH: Bei der GmbH ist die Situation grundsätzlich gleich, es können jedoch besondere Nachschusspflichten vereinbart werden. Nachschusspflichten sind Verpflichtungen der Gesellschafter, die Gesellschaft in bestimmten Situationen unterstützen zu müssen.

Ausschluss

Bei der Aktiengesellschaft: Ein Ausschluss aus einer AG ist nur möglich, wenn der Aktionär seine Einlagepflichten (= Zahlung des Aktienkapitals) nicht richtig erfüllt.

Bei der GmbH: Bei einer GmbH kann man die Gesellschafter unter gewissen Voraussetzungen und bei Vorliegen von wichtigen Gründen aus der Gesellschaft ausschliessen. Zusätzlich können weitere Gründe für einen Ausschluss in den Statuten festgehalten werden. Dieser erweiterte Spielraum stellt klar einen Vorteil gegenüber der AG dar.

In der Beratungspraxis ist es oftmals so, dass sich Gründer gestützt auf ihr Anfangskapital für eine GmbH oder eine AG entscheiden. Die statutarischen Möglichkeiten werden selten wirklich berücksichtigt.

Insbesondere bei Jungunternehmen, welche eine Venture Capital Finanzierung benötigen, ist die Aktiengesellschaft aus verschiedenen Gründen besser geeignet.

 
 
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