Webseite als taugliche Sacheinlage für Gesellschaftsgründungen?

Alain Friedrich
Alain Friedrich

Viele Geschäftsmodelle von Start-Ups basieren auf Onlineplattformen. Es werden elektronische Markplätze geschaffen, Dienstleistungen online vermittelt und ganze Buchungsprozesse elektronisch über Webseiten abgewickelt.

Für Entwickler solcher Plattformen stellt sich vermehrt die Frage, ob bereits entwickelte Webseiten als Sacheinlagen (wie z.B. Immobilien oder andere Sachwerte) für Gesellschaftsgründungen dienen können.

Sacheinlagegründung

Bei einer Sacheinlagegründung geht es darum, den Nennwert des gezeichneten Aktien- oder Stammkapitals mittels einer Sache oder eines anderen Vermögenswertes aufzubringen. Dies hat vordergründig den Vorteil, dass man die Aktien- oder Stammkapital nicht bar einzahlen muss.

Um als zulässige Sacheinlage zu gelten, muss der eingebrachte Vermögenswert bewertbar bzw. aktivierbar, übertragbar, verfügbar und verwertbar sein. Dabei spielt insbesondere die Voraussetzung der Bewertbarkeit bzw. Aktivierbarkeit eine wichtige Rolle.

Die Aktivierbarkeit muss nämlich bei jeder Sacheinlagegründung durch eine Revisionsstellebestätigt werden. Die Revisionsstelle hat damit die Voraussetzungen der Sacheinlagefähigkeit zu prüfen und eine entsprechende Bestätigung abzugeben (sog. Prüfungsbestätigung).

Immaterielle Vermögenswerte als Sacheinlage

Die Sacheinlagefähigkeit einer von immateriellen Vermögenswerten, wie Forschungs- und Entwicklungskosten, Marken, Lizenzen, Domainnamen oder Webseiten, ist im Einzelfall zu prüfen und mit der Revisionsstelle sowohl dem zuständigen Handelsregister abzuklären.

Bei Entwicklung einer neuen Webseite können die Entwicklungskosten grundsätzlich aktiviert und als Sacheinlage verwendet werden. Eine Einzelfallprüfung ist jedoch unerlässlich. Laufenden Betriebskosten sind jedoch in jedem Fall als Aufwand zu erfassen und nicht sacheinlagefähig.

Sacheinlagegründung ist teurer und bringt kaum Vorteile

Obwohl eine Sacheinlagegründung durch Einbringung einer bereits entwickelten Webseite im Einzelfall möglich sein kann, ist zu überlegen, ob man dies überhaupt sinnvoll ist.

Eine Sacheinlagegründung ist aufgrund höherer Komplexität und der Involvierung einer Revisionsstelle in der Regel wesentlich teuerer als eine Bargründung und bringt – im Vergleich zu einer späteren Übertragung der Webseite an die gegründete Gesellschaft – keine wesentlichen Vorteile. Vorausgesetzt man hat die nötigen Mittel zur Bargründung!

 
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